Pflegekraft selber einstellen

Diese 11 Schritte müssen Sie tun wenn Sie selbst eine Betreuungs- oder Pflegekraft einstellen wollen:

 

  1. Sie nehmen Kontakt mit Ihrer örtlichen Agentur für Arbeit auf. Dies geht telefonisch (Kontaktdaten über www.arbeitsagentur.de) oder über das Internet (http://jobboerse.arbeitsagentur.de). Dort geben Sie an, wen Sie wann und für welche Tätigkeiten suchen und geben einen (kostenlosen) Suchauftrag ab. Sie können dort auch angeben, dass Sie eine ausländische Kraft einstellen wollen - die (deutsche) Agentur für Arbeit arbeitet beispielsweise mit dem polnischen Arbeitsamt zusammen. Sie erhalten dann Bewerbungen, werten diese aus, führen Vorstellungsgespräche und entscheiden sich dann für eine Person. Dies alles ist für Sie kostenlos - die Vermittlungsagenturen bleiben hier außen vor.                                                                                                              
  2. Sie werden Arbeitgeber und benötigen deshalb einen rechtssicheren (!) Arbeitsvertrag: im Internet gibt es unzählige Mustervorlagen. Das Problem: Diese treffen nicht unbedingt auf Ihre persönliche Situation zu. Deshalb sollten Sie bezüglich der inhaltlichen Regelungen (Arbeitszeit, Urlaubsanspruch, Vergütung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Kündigungsfristen) einen Rechtsanwalt konsultieren. Hier sind zahlreiche arbeitsrechtliche Mindestnormen zu beachten. Denken Sie bitte auch an Themen wie Telefon- und Internetnutzung sowie Reisekostenerstattung.
  3. Sie melden Ihren Angestellten bei der Sozialversicherung an: als Arbeitgeber müssen Sie gemäß SGB VI die Meldungen zur Sozialversicherung erstatten. Hierzu benötigen Sie eine Betriebsnummer!
     
  4. Als Arbeitgeber müssen Sie Lohnsteuer abführen und dafür sorgen, dass eine Lohnsteueridentifikationsnummer vergeben wird.
     
  5. Die Betreuungs- oder Pflegekraft muss vor Arbeitsbeginn krankenversichert sein! Hierzu müssen Sie vorab Ihre Pflegekraft bei einer (in der Regel gesetzlichen) Krankenkasse anmelden.
     
  6. Sie melden Ihre Angestellte bei der dafür zuständigen Berufsgenossenschaft an.
     
  7. Eine Haftpflichtversicherung ist  zwar nicht vorgeschrieben, jedoch sehr zu empfehlen. Sie dient als Sicherheit, weil bei dieser Tätigkeit ja immer mal Sachschäden auftreten können. Und: bei einem Sturz wird zum Beispiel von den Kassen immer geprüft, ob ein Verschulden der Pflegekraft vorliegt. Ist dies der Fall, dann werden die Kosten eventuell von den Kassen nicht übernommen
     
  8. Wie bei jedem Arbeitnehmer sollte vor Abschluss des Arbeitsvertrages ein ärztliches Attest vorgelegt werden. Ist der Bewerber physisch und psychisch geeignet, diese anspruchsvolle Aufgabe auszuüben? Dabei ist auch wichtig, dass der Ausschluss von ansteckenden Infektionskrankheiten (wie TBC, Hepatitis etc.) sowie ein ausreichender Impfschutz bescheinigt werden.
     
  9. Prüfen Sie die vorgelegten Unterlagen: Vor Abschluss des Arbeitsvertrages sollten vor allem folgende Unterlagen sorgfältig gesichtet werden: Zeugnisse, Referenzen (greifen Sie im Zweifel lieber zum Telefonhörer), Lebenslauf, polizeiliches Führungszeugnis. Fehlen Nachweise? Gibt es Lücken im Lebenslauf?
     
  10. Nicht zu unterschätzen ist die Vertretungsregelung: Es muss geklärt sein, wer die Vertretung (bei Urlaub, Freizeit oder Arbeitsunfähigkeit) übernimmt. Besonders bei Krankheit der Betreuungskraft ist ein kurzfristiger (!) Ersatz wichtig. Dies gilt besonders dann, wenn die Angehörigen nicht in der Nähe wohnen und nicht sofort einspringen können.
  11. Diese Auflistung kann unvollständig sein und trifft auch nicht genau jede Situation. So ist es unter Umständen notwendig, die Person auch beim Einwohnermeldeamt zu melden.

Unsere Einschätzung:

Es gibt natürlich auch legale Möglichkeiten, selbst als Arbeitgeber eine Betreuungskraft zu beschäftigen. Bei dieser Variante ist die Rechtssicherheit grundsätzlich hoch. Dabei sollten Sie sich auf jeden Fall durch einen Rechtsanwalt und/oder Steuerberater unterstützen lassen, denn als Arbeitgeber unterliegen Sie ggf. noch weiteren Verpflichtungen. Außerdem: Ein Steuerberater ist bezüglich des Meldeverfahrens in der Sozialversicherung sowieso unumgänglich, da Meldungen oft in elektronischer Form erfolgen müssen.

Die Frage ist natürlich, ob bei dieser Art der legalen Beschäftigung einer Betreuungskraft die Entlastung ggf. nicht eher zu einer Belastung wird. Um als Arbeitgeber aufzutreten, braucht es auf jeden Fall viel Zeit und Energie, also einen sehr hohen persönlichen Aufwand.  Dazu kommt durch Steuer, Lohnnebenkosten etc. auch ein nicht unerheblicher finanzieller Aufwand dazu.

Benötigen Sie zeitnah eine häusliche Versorgung durch eine Haushaltshilfe oder eine Pflegekraft? Dann ist diese Variante für Sie wahrscheinlich nicht geeignet. Durch den hohen Aufwand dauert es bei einer Pflege- oder Betreuungskraft manchmal Wochen, bis diese mit der Arbeit beginnen kann.