Betreuungskraft aus dem EU-Ausland

Die rechtlichen Grundlagen:

Hier kommt es zu einem Vertrag zwischen einer im Entsendeland (zum Beispiel in Polen) ansässigen Dienstleistungsfirma, die Dienstleistungen in der Betreuung oder Pflege anbietet, und der Auftrag gebenden Person aus Deutschland. Die entsendete Arbeitskraft ist bei dem entsendenden Dienstleister angestellt.

Die deutsche Vermittlungsfirma ist – wie auch diese Plattform – lediglich Vermittlerin und stellt einen Kontakt zwischen Ihnen und der ausländischen Firma her.

Die Vermittlungsagentur darf (!) keine Arbeitgeberfunktionen ausüben. Dies gilt auch für Sie persönlich: Sie dürfen dies auch nicht. Wenn Sie also eine Änderung der bestehenden Vereinbarungen (längerer Aufenthalt, Änderung im Tagesablauf) wünschen, so müssen Sie sich an die (ausländische) Entsendefirma wenden. Nur diese darf Weisungen an ihre Arbeitnehmer geben. Machen Sie das versehentlich selbst (indem Sie zum Beispiel schriftlich einen neuen Plan über den Tagesablauf erstellen), dann üben Sie Arbeitgebereigenschaften aus. Kommt es zum Konflikt, sind Sie (unter Umständen auch rückwirkend) Arbeitgeber und unterliegen deutschem Arbeits- und Sozialversicherungsrecht. Sie müssen dann (unter Anderem) mit erheblichen Nachzahlungen rechnen.

Nach dem Leitfaden der Europäischen Kommission liegt eine zulässige und arbeitserlaubnisfreie Entsendung von Arbeitnehmern dann vor, wenn ein im Beitrittsstaat ansässiges und tätiges Unternehmen

  1. einen bei ihm beschäftigten Arbeitnehmer in ein anderes Mitgliedsland entsendet,
  2. damit dieser dort für Rechnung und im Interesse des Unternehmens einer Tätigkeit nachgeht,
  3. die voraussichtliche Dauer dieser Tätigkeit 12 Monate nicht überschreitet (eine Verlängerung um weitere 12 Monate ist im Einzelfall möglich),
  4. der Arbeitnehmer nicht im Anschluss und als Ersatz für einen anderen Arbeitnehmer entsandt wird, dessen Entsendezeitraum abgelaufen ist,
  5. das Arbeitsverhältnis zwischen dem Entsendeunternehmen und dem entsandten Arbeitnehmer während des Entsendezeitraums fortbesteht.

Beitrittsstaaten sind derzeit: Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Lettland, Litauen, Estland, Bulgarien und Rumänien. Für andere Länder (wie zum Beispiel Serbien) gelten diese vereinfachten Regelungen nicht!

Als Nachweis der (im Ausland bestehenden) Sozialversicherung gilt das Formular A1.

Alle Regelungen in diesem Bereich gelten nur für Haushaltshilfen.

Welche Aufgaben werden übernommen?

Die wesentlichsten Aufgaben sind die hauswirtschaftliche Versorgung, eine persönliche und aktivierende Betreuung, leichte grundpflegerische Alltagshilfen sowie die Begleitung bei  Alltagsaktivitäten. Wie überall müssen Sie auch hier Details beachten und zwischen den Zeilen lesen:

Eignung der Betreuungs- oder Pflegekraft

Werfen Sie einen genauen Blick auf die Ausbildung und die berufliche Erfahrung der Betreuungskraft. In dieser Plattform finden Sie diese Angaben im Suchfeld Art der Ausbildung. Sie finden es, wenn Sie die ersten Suchkriterien auf der Startseite eingegeben und suchen geklickt haben. Ist Ihr Angehöriger beispielsweise bettlägerig, dann empfiehlt sich nicht unbedingt eine reine Haushaltshilfe. Pflege und die richtige Versorgung von Menschen sind nicht ohne Grund eine Ausbildung mit einer 1 bis 3 jährigen Dauer. Ohne Kenntnisse und Praxiserfahrung kann sich bei bettlägerigen Patienten beispielsweise schnell ein ernsthaftes Hautproblem (Dekubitus) entwickeln. Auf der anderen Seite: ist Ihr Angehöriger mobil, dann spricht natürlich grundsätzlich nichts gegen eine Haushaltshilfe. Bewerten Sie auch, ob eine Betreuungskraft schon mehrjährig in der 24h-Betreuung ist oder erst wenige Monate.

Spezialkenntnisse:

Ist Ihr Angehöriger dement? Liegt eine spezielle Versorgungssituation vor? Wird ein Senior versorgt, ein Kind oder ein Jugendlicher? Handelt es sich um einen großen Haushalt oder um mehrere Personen? Hier zeigen Ausbildung und Vita der Betreuungskräfte, ob bereits Erfahrungen mit der speziellen Situation vorliegen.

Bitte beachten Sie zum Thema "Kosten einer Betreuungs- und Pflegekraft" auch unsere Rubrik Rund um die Uhr Betreuung?

Sprachkenntnisse:

Keine Deutschkenntnisse sind keine Deutschkenntnisse. Grundkenntnisse bedeutet, dass eine einfachste Verständigung möglich ist. Nehmen Sie dies wörtlich und erwarten Sie hier keine (sprachlichen) Wunder  - und haben Sie Geduld. Einige Anbieter verweisen auf das Vorliegen eines Zertifikates (von A1 = Anfänger bis zu C 2 = beinahe muttersprachliche Kenntnisse). Details dazu finden Sie auf den Seiten von e-traffix.

Wie lange dauert ein Einsatz?

Die ausländischen Betreuungs- oder Pflegekräfte bleiben meist für die Dauer von zwei oder drei Monaten bei den Pflegebedürftigen und werden dann von einer anderen Kraft abgelöst.

Grundlage dieser Lösung ist die Dienstleistungsfreiheit für alle EU-Bürger. Diese schließt jedoch aus, dass die Dienstleistung dauerhaft erbracht wird.

Am einfachsten ist es für Sie, wenn die (ausländische) Firma die Wechsel selbst organisiert. Ändern sich Ihre Anforderungen an die Betreuungskraft nicht, dann kostet das auch nicht mehr. Allerdings müssen die An- und Rückreisekosten von Ihnen übernommen werden sofern dies vertraglich so geregelt ist.

Eine Alternative ist, dass Sie den Wechsel selbst organisieren und die neue Kraft ebenfalls buchen, zum Beispiel über diese Plattform. Wir empfehlen dies allerdings nur dann, wenn Sie mit Ihrer bisherigen Firma nicht zufrieden sind.

Was kostet das?

Das wichtigste Kriterium für die Preisgestaltung ist die Sprachkenntnis: der Tag "kostet" - je nachdem - zwischen 50.- und über 90.-€. Werden mehrere Personen versorgt oder sind Spezialkenntnisse erforderlich, dann fallen Zuschläge an. Gleiches gilt für Feiertage, wobei einige Anbieter im Jahr mit 5 Feiertagen (= Zuschläge) rechnen - andere liegen deutlich darüber. Dazu kommen Reisekosten: je Richtung liegen diese Kosten etwa zwischen 70.- und 130.-€.

Was zahlt die Pflegekasse?

Steht eine Pflegestufe fest, dann erhalten Sie von der Pflegekasse Pflegegeld für häusliche Pflege. Details zu dieser Leistung finden Sie in unserer Rubrik Leistungen der Pflegekassen. Sind die Voraussetzungen erfüllt, dann haben Sie zusätzlich einen Anspruch auf die Leistungen der Verhinderungspflege.

Unsere Einschätzung:

Schon aus finanziellen Gründen ist diese Variante oft die einzig machbare Option für eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Die Kosten liegen zwischen 1.500.- und über 2.900.- € monatlich - abzüglich der Zuschüsse der Pflegekassen. Damit Sie sich problemlos verständigen können empfehlen wir das Kriterium "gute Sprachkenntnisse".

Aber: schließen Sie auf keinen Fall direkt einen Arbeitsvertrag mit einer Betreuungskraft aus dem europäischen Ausland. Falls diese selbstständig ist, beachten Sie bitte unsere Anmerkungen "Selbstständige Pflegekraft" und holen Sie sich fachkundigen Rat. Schließen Sie ebenfalls keinen Vertrag über Betreuungs- oder Pflegeleistungen mit dem deutschen Vermittler. Bei einer angestellten ausländischen Entsendekraft ist Vertragspartner immer ausschließlich die ausländische Betreuungs- oder Pflegefirma. Und: nur der ausländische Arbeitgeber ist weisungsberechtigt. Wenn Sie davon abweichen und selbst Anweisungen geben, dann üben Sie Arbeitgeberfunktionen aus und sind dann auch Arbeitgeber. Egal, was im Vertrag vereinbart ist.

Und abschließend: Lassen Sie sich nicht von unseren Ausführungen verwirren oder entmutigen. In den allermeisten Fällen kann eine Entsendekraft "legal" in Ihrem Haushalt beschäftigt werden.