Pflegefall - was tun? 3 Schritte die Sie tun müssen, wenn ein Pflegefall eintritt

Ein einziger Sturz kann alles verändern: Obwohl Angehörige wissen, dass ihre Eltern bzw. Angehörige irgendwann einmal Unterstützung benötigen, kommt dieser Zeitpunkt in der Regel trotzdem schnell und überraschend.

Wenn ein Angehöriger zum Pflegefall wird, dann müssen Sie sich auf viel Bürokratie einstellen. Gleichzeitig müssen in kürzester Zeit wichtige Entscheidungen getroffen werden, z.B. wenn die Klinik sich meldet, weil Ihr pflegebedürftiger Angehöriger in den nächsten Tagen entlassen wird.

1. Klären Sie die Situation mit Ihrem Umfeld

Wenn ein Pflegefall eintritt, ist es wichtig, dass Sie sich ein Bild von der Situation machen und anstehende Aufgaben und Entscheidungen mit Ihrer Familie und Ihrem Umfeld besprechen. Welche Zukunftsperspektiven gibt es für die erkrankte Person? Gibt es kurzfristige Möglichkeiten der Versorgung? Was sind Optionen für die mittel- und langfristige Versorgung?

Es müssen nun zeitnah wichtige Entscheidungen getroffen werden zum Beispiel zur Art der Pflege: 

  • Wo soll die betroffene Person gepflegt werden? Zuhause durch Angehörige? Was wünscht der/die Pflegebedürftige?

  • Wird Unterstützung durch einen regionalen Pflegedienst benötigt oder nehmen Sie einen 24-Stunden-Dienst in Anspruch?

  • Oder ist ein Pflegeheim unter Umständen besser?

Aber auch darüber hinaus fallen viele Fragen und Aufgaben an:

  • Wer erledigt den Schriftwechsel mit den Kassen, den Ärzten und dem Finanzamt?

  • Wer kümmert sich um die finanziellen Angelegenheiten und zu bezahlende Rechnungen?

  • Liegen Vollmachten (Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung) vor? Falls nicht: Können diese noch erteilt werden?  

  • Es ist übrigens ein Rechtsirrtum, dass Ehepartner oder nahe Angehörige im Betreuungsfall automatisch die gesetzlichen Betreuer werden. Liegt keine Vollmacht vor, dann wird der gesetzliche Betreuer durch das Betreuungsgericht (Teil des Amtsgerichts) bestimmt. Der Betroffene kann selbst einen Antrag stellen oder Dritte die Einrichtung einer Betreuung anregen. Für einen Menschen mit Behinderung darf eine Betreuung, solange er seinen eigenen Willen noch bekunden kann, nur auf dessen eigenen Antrag gestellt werden. 

2. Nutzen Sie eine Pflegefachberatung

Lassen Sie sich von Experten beraten. Sie haben einen Anspruch auf eine kostenlose und umfassende Beratung durch die Pflegeberaterinnen und

Pflegeberater Ihrer Pflegekasse. Der Anspruch gilt auch für Angehörige und weitere Personen, zum Beispiel ehrenamtliche Pflegekräfte. Die Pflegeberaterinnen und Pflegeberater der Pflegekasse verfügen über umfassendes Wissen, insbesondere im Sozial- und Sozialversicherungsrecht,

und haben eine besondere Qualifikation für die Pflegeberatung erworben. Die Pflegekasse bietet Ihnen unmittelbar nach Stellung eines Antrags auf Leistungen einen konkreten Termin für eine Pflegeberatung an, die innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung durchzuführen ist. Die Pflegekasse benennt Ihnen außerdem eine Pflegeberaterin beziehungsweise einen Pflegeberater, die oder der persönlich für Sie zuständig ist. Alternativ hierzu kann Ihnen die Pflegekasse auch einen Beratungsgutschein ausstellen, in dem unabhängige und neutrale Beratungsstellen benannt sind, bei denen der Gutschein ebenfalls innerhalb der Zwei-Wochen-Frist eingelöst werden kann.

Auf Ihren Wunsch kommt die Pflegeberaterin beziehungsweise der Pflegeberater auch zu Ihnen nach Hause. Wenn es in Ihrer Region einen Pflegestützpunkt gibt, können Sie sich ebenso an diesen wenden. Näheres erfahren Sie bei Ihrer Pflegekasse.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) stellt auf seiner Webseite eine Übersicht der bundesweiten Pflegestützpunkte mit den entsprechenden Kontaktdaten zur Verfügung.

3. Stellen Sie einen Antrag auf Einstufung durch die Pflegeversicherung

Um Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Dies kann in Form eines Briefes oder auch telefonisch erfolgen. Die Pflegekasse befindet sich bei der Krankenkasse. Die Antragstellung können auch Familienangehörige,

Nachbarn oder gute Bekannte übernehmen, wenn sie denn dazu bevollmächtigt werden. Sobald der Antrag bei der Pflegekasse gestellt wird, beauftragt diese den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachter mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Wichtig ist der Tag der Antragstellung. Ab diesem Datum können Sie (bei positiver Einstufung) Leistungen beziehen.