Selbstständige (deutsche) Pflege- und Betreuungskraft

Eine selbstständige Betreuungs- oder Pflegekraft arbeitet auf eigene Rechnung. Dazu meldet sie in Deutschland  (oder im Ausland wie z.B. in Polen) ein eigenes Gewerbe an. Zwischen der pflegebedürftigen Person (oder einem Angehörigen) und der Betreuungskraft besteht dann ein Dienstleistungsvertrag.

Bei dieser Variante ist zu beachten, dass die berufliche Selbstständigkeit der Betreuungskraft bei Ausübung der Pflege erhalten bleibt, es hier also zu keinem Angestelltenverhältnis kommt. Dabei ist es irrelevant, wie der geschlossene Vertrag heißt und was er beinhaltet. Es kommt ausschließlich auf die konkret ausgeübte Tätigkeit an. Da hier zwischen Ihnen und der Betreuungs- oder Pflegekraft ein privatrechtlicher Vertrag abgeschlossen wird, gehört auch eine sorgfältige Prüfung der vorgelegten Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, berufliche Erfahrungen, Weiterbildungen, etc.) zu ihren Aufgaben.

Die berufliche Selbstständigkeit der Betreuungskraft liegt vor, wenn u.a. die folgenden Kriterien erfüllt werden:

  • der/die Selbstständige hat mehrere Auftraggeber

  • es besteht keine persönliche Abhängigkeit

  • ebenso darf es keine Weisungsgebundenheit hinsichtlich Ort, Zeit und Inhalt der Tätigkeit geben

  • es besteht kein Urlaubsanspruch

  • es besteht kein Anspruch auf sonstige Sozialleistungen

  • im Krankheitsfall gibt es keine Fortzahlung der Bezüge

  • die Tätigkeit muss selbstständig organisiert und durchgeführt werden

  • es besteht ein unternehmerisches Risiko

  • die An- und Abreise wird selbst gezahlt

  • die Beschaffung von Arbeitsmitteln ist obligatorisch

Diese Auflistung ist beispielhaft und deshalb auch unvollständig. Entscheidend für die Unterscheidung von Selbstständigkeit zur abhängigen Beschäftigung ist, welches die überwiegenden Kriterien sind. Maßgebend ist dabei die gesamtheitliche Sicht auf alle Faktoren. Das alleinige Vorhandensein mehrere Auftraggeber reicht also nicht aus, um rechtlich als selbstständig zu gelten.

Zudem findet bei selbstständigen Betreuungskräften das Arbeitsschutzgesetz keine Anwendung. Es liegt demnach im Rahmen der Vertragsfreiheit, was Sie vereinbaren. Auch ist es sinnvoll, frühzeitig über einen Ersatz nachzudenken. Wer kommt als Ersatz bei Urlaub oder Einsatzpause? Wer springt ein, wenn die Pflegekraft (kurzfristig) erkrankt? Oft haben selbstständige 24-Stunden Kräfte ihr eigenes Netzwerk und bieten hier individuelle Lösungen an. Grundsätzlich besteht natürlich auch immer die Möglichkeit, eine Ersatzkraft hier über unsere Plattform zu buchen.

Was kostet das?

Auch hier werden üblicherweise Tagessätze vereinbart. Diese fallen aber nur an, wenn die Betreuungs- oder Pflegekraft auch im Einsatz ist. Zahlungen bei Urlaub oder Krankheit gibt es nicht. Die Spanne der Tagessätze ist sehr weit: ab etwa 150.- € pro Tag bis über 300.- €. Der oder die Selbstständige muss damit alle Kosten seiner Tätigkeit abdecken wie beispielsweise Versicherungen, Altersvorsorge oder Arbeitskleidung.

Einige Pflegekräfte haben eine Vereinbarung mit der regionalen Pflegekasse abgeschlossen. In diesem Fall kann die Kasse Pflegesachleistungen gewähren. Ansonsten haben Sie in der Regel Anspruch auf Pflegegeld. Natürlich nur, wenn eine Pflegestufe festgestellt wurde.

Unsere Einschätzung

Es gibt auf dem Markt sehr gute und äußerst fähige selbstständige Pflegekräfte. Allerdings besteht die Gefahr, dass (auch nachträglich) eine Scheinselbstständigkeit festgestellt wird. Der potenziell Selbstständige kann von der Rentenversicherung geprüft und (rückwirkend) als Angestellter eingestuft werden. Unter Umständen müssen Sie dann Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen, eventuell droht sogar ein Bußgeld oder eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung. Lassen Sie sich also von der selbstständigen Pflegekraft entsprechende Nachweise vorlegen und kopieren Sie diese zu Ihrer eigenen Sicherheit. Und: Erkrankt eine selbstständige Pflegekraft, müssen Sie zwar kein Gehalt weiter zahlen, allerdings benötigen Sie dann auch einen kurzfristigen Ersatz.